Frau.Sein.International - Jahresempfang und Delegiertenkonferenz in Mühlhausen

Veröffentlicht am 23.10.2015 in Gleichstellung

Angeregte Diskussion im Mühlhauser Gasthof Zum Löwen

Die jährliche Landesdelegiertenkonferenz der ASF Thüringen fand am 22. Oktober in Mühlhausen statt. Die Delegierten sprachen sich nach der Diksussion für die Verabschiedung einer Resoulition der ASF Thüringen aus, die den besonderen Schutz von geflüchteten Frauen und Mädchen zum Inhalt hat.
Auch der anschließende Jahresempfang stand ganz unter diesem Motto. Mit zahlreichen Gästen und Fachreferentinnen wurde über die Situation geflüchteter Frauen und Mädchen in Thüringen gesprochen. Maria Dolores Sper, Ärztin in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) Mühlhausen, Katja Glybowskaja (AWO Jena-Weimar e.V.) und weitere Mitarbeiterinnen der EAE Mühlhausen berichteten über ihre Arbeit für und mit Asylsuchenden, von den täglichen Herausforderungen, den kleinen und großen Katastrophen.

Frauen brauchen besondere Schutzräume

"Frauen brauchen den besonderen Schutz nicht, weil in den EAE´s ständig etwas passiert," so Maria Sper aus ihrer täglichen Erfahrung. "Aber jede Frau würde bei dem viel höheren Männeranteil Angst bekommen." Dabei sei es bisher zu keinen Übergriffen auf Frauen gekommen, wie sie betont. "Aber in einem mit Männern gefüllten Bierzelt, hätten fünf alleinstehende Frauen auch Angst."
"Wir dürfen nicht zu stark polarisieren," warf Katja Glybowskaja ein, die für die Betreuung der Unterkünfte in Jena und Weimar mitverantwortlich ist. "Es sind nicht nur die bösen, gewaltbereiten Männer auf der einen und die zu schützenden, schwachen Frauen auf der anderen Seite." Natürlich müssten die Frauen, Mütter und Mädchen ganz besonderen Schutz vom ersten Tag an bekommen. Gleichzeitig dürften nicht alle Männer und Jugendlichen als potentielle Gewalttäter diffamiert werden.
Leider sei zu erkennen, dass sich bei der Planung alles auf die 70 Prozent ankommende Männer orientiert, während die Bedürfnisse der Frauen aus dem Blick geraten. Eine dringende Forderung der ASF ist daher die getrennte Unterbringung von Frauen und Mädchen.
Bei der künftigen Verteilung der Flüchlinge auf die Landkreise geht der Unstrut-Hainich-Kreis hier voran. "Wir werden ein Gebäude extra für alleinkommende Mütter mit Kindern und Frauen einrichten," berichtete Claudia Zanker, SPD-Kreisvorsitzende. "Die unbegleiteten minderjährigen Mädchen werden ebenfalls extra untergebracht." Deren Anteil beträgt in Erfurt derzeit sechs Prozent, wie Birgit Schuster, Geschäftsführerein des MitMenschen e.V., die für die Betreuung von 4 Gemeinschaftsunterkünften sowie der unbegleiteten minderjährigen Ausländer zuständig ist.

Keine Aufgabe von Standards bei der Gesundheitsversorgung

Neben der gesondereten Unterbringung war auch der Zugang zur Gesundheitsversorgung ein zentrales Thema der Diskussion. "Jeden Tag sehe ich 60 bis 70 Patienten," so Maria Sper. "Ich muss zig Unterlagen aus anderen Einrichtungen hinterherlaufen, es kommt bei der ständigen Hin- und Herverlegung zu unnötigen Mehrfachuntersuchungen," beklagt die junge Ärztin. "Wir müssn zu unserer eigenen  Sicherheit und zur Sicherheit der Bevölkerung Krankheiten ausschließen bevor die Asylsuchenden in die Kreise verteilt werden. Bei der Arbeitsbelastung geraten wir hier alle an unsere Grenzen." Dr. Babette Winter, Staatssekretärin, zollte den Mitarbeiterinnen der EAE Mühlhausen ihren Respekt für den unermüdlichen Einsatz. "Aber im Moment gehen alle mit dem Thema befassten auf dem Zahnfleisch," so die stellvertretende ASF-Landesvorsitzende. Auch in der Verwaltung sei man bemüht Lösungen zu finden. Das käme in den Einrichtungen aber nicht an, so die Kritik. "Da werden Familien in Turnhallen und alleinreisende Männer in Gebäuden mit abgetrennten Räumen und wenigstens etwas Privatsphäre untergebracht. Das geht doch nicht," so eine der Mitarbeiterinnen der EAE. Bei der Unterbringung von Flüchtlingen seien zwangsweise bereits viele Standards deutlich abgesenkt worden. Bei der Gesundheitsversorgung dürfe das aber nicht gelten. Die Einführung der Gesundheitskarte, wie sie bereits im April 2015 gefordert wurde, sei dringend geboten. "Damit würden wir Ärtze in den EAE´s endlich entlastet und die Fachärzte hätten Sicherheit," bekräftigte Maria Sper ihre Forderung. Warum es in Thüringen hänge, könne auf die Schnelle nicht geklärt werden, so Babette Winter.

Gezielte Integration von Frauen

Das die Frauen und Mütter, die die lange Flucht auf sich genommen haben, gewillt sind zu lernen, sehe Dr. jeden Tag. "Mit ihnen kann die Integration schnell und gut klappen". Einige hätten bereits ihre Kopftücher abgelegt und sähen die Fluchterfahrung als einen Schritt in eine selbstbestimmtes Leben für sich und ihre Kinder,
Wichtigster Schlüssel bleibe die Sprache. Hier könnten vielfach auch Asylsuchende selbst als Sprachmittler eingesetzt werden. "Die wenigsten der Mitarbeiter können arabisch oder andere Fremdsprachen," erklärte eine der EAE-Mitarbeiterinnen. Sie wünschte sich, auch selbst Sprachkurse bekommen zu können, um die Menschen nicht auf deutsch oder englisch, sondern auch in ihrer Heimatsprache ansprechen zu können. „Das macht vieles leichter im Umgang miteinander,“ ist sie überzeugt. Derzeit mangele es aber an Angeboten.

"Angst nicht mit Hetze verwechseln"

Das fordert Claudia Zanker. "Wir müssen die Ängste in der Gesellschaft wahrnehmen und auch ernstnehmen, aber wir dürfen keine Hetze zulassen." Deshalb habe der SPD-KV ein Informations- und Beratungsangebot an die Bürgerinnen und Bürger gestartet. "Wir wollen mit Zahlen und Fakten den vielen Gerüchten entgegentreten." Leider werde das Angebot kaum wahrgenommen. "Ich befürchte, dass die positive Grundstimmung in Deutschland schon gekippt ist," brachte Dagmar Becker, Landtagsabgeordnete aus Nordhausen ihre Befürchtung zum Ausdruck. Zufällig war sie am vergangenen Montag in Dresden, als die PEGIDA-Organisation ihren Demonstrationszug veranstaltete. "Es ist absolut erschreckend, wie "normal" dieser hasserfüllte Protest geworden ist." Leider gebe es weiterhin keine Lösungen. Nur noch eine Reaktion auf die Krise, kein aktives Handeln mehr. "Das birgt die Gefahr, dass wir die Zukunft aus dem Blick verlieren," gab Katja Glybowskaja zu bedenken. Die Menschen werden in einer großen Anzahl in Deutschland bleiben, es werden absehbar noch viele dazu kommen.

Schaffen wir das?

Die Zahl derer, die tatsächlich eine qualifizierte Ausbildung, ein Studium oder einen Schulabschluss haben, sei gering, berichteten die Mitarbeiterinnen der EAE aus ihrer Erfahrung heraus. Umso wichtiger sei, dass diese Menschen den Zugang zu Aus- und Weiterbildungen bekommen und die Kinder in den Schulen die Chance auf eine gute Schulbildung haben. "Wir brauchen uns doch nur die Abwanderungen in den letzten Jahren in und um Mühlhausen und in ganz Thüringen ansehen," mahnte Dr. . "Wir brauchen diese Menschen."
Katja Glybowskaja riet dazu einen Blick in die Geschichte zu werfen: Bis in die 1970er Jahre hinein habe die BRD insgesamt 14 Millionen Menschen aufgenommen. Auch nach 1990, als die Wiedervereinigung zweier unterschiedlicher Systeme noch im Gange war und die Balkankriege hundertaussende Menschen zur Flucht zwangen, habe Deutschland die Menschen aufgenommen. "Dass dabei vieles falsch gelaufen ist, steht außer Frage," so die Sozialpädagogin. "Aber wir müssen unsere Energie endlich darauf verwenden, nicht immer nur zu sagen, was alles schlecht ist. Wir müssen analysieren, daraus Schlüsse ziehen und es in Zukunft besser machen," forderte sie.

ASF unterstützt Forderungen

"Sie alle leisten einen ganz tollen Job," bedankte Heidrun Sachse sich bei den Referentinnen. "Verprechen können wir nichts, aber wir sind ein zusätzliches Sprachrohr und werden unsere Forderungen in die entsprechenden Gremien tragen." Frauen und Mädchen bedürfen eines besonderen Schutzes, sie verdienen eine Chance, denn „Frauen regieren die Welt.“

 

 
 

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