Zur Fahrpreiserhöhung der Deutschen Bahn AG
Die Privatisierung von Volkseigentum muss nun auch durch selbiges bezahlt werden. Die Bundestagsabgeordneten schweigen.
Mit Kopfschütteln und Fassungslosigkeit reagiert Hendrik Amm, Vorsitzender der Nord SPD in Jena, auf die Ankündigungen der Deutschen Bahn AG, die Preise pünktlich zum Weihnachtsfest anheben zu wollen. Die Vorhaben im Überblick:
- die Streckenpreise erhöhen sich pauschal um fast 4%, auch im Regionalverkehr
- BahnCard-Besitzer, wie z. B. zahlreiche Berufspendler, müssen für ihre BahnCards ca. 3,5% mehr Geld ausgeben
- die normale Bedienung am Schalter, muss sich in Zukunft mit 2,50€ als Bedienzuschlag teuer erkauft werden und wird gerade für ältere Menschen zur Falle
- die normale Bedienung für bestimmte Tickets kostet in Zukunft sogar 5,00€
„Mit den Menschen reden und sie verarschen“, dürfte, laut Hendrik Amm, das aktuelle Motto der Deutschen Bahn AG sein. Nachdem zugesagt wurde, dass die Privatisierung der Bahn nicht zur Verschlechterung des Services führen würde und schon gar nicht zu Preiserhöhungen, sehen sich nun die Bedenkenträger der Privatisierung bestätigt.
„Die Nord SPD hat aus guten Gründen die Privatisierungspläne abgelehnt, aber das nützt den Menschen rein gar nichts“, erläutert Amm die Position seines kleinen Verbandes. Der Abbau von Serviceleistungen habe laut Amm schon längst begonnen. So findet man in den Regionalbahnen in Thüringen kaum noch Kundenberater und kann seit Juni 2008 in allen Regionalzügen Mitteldeutschlands auch keine Fahrscheine mehr erwerben. Die Automaten sind aber gerade für ältere Menschen eine Zumutung und funktionieren ohnehin rein nach Zufallsprinzip.
Obwohl zwischen Zwickau (über Jena) und Eisenach nachweislich viele Touristen und Studenten mit Fahrrädern mit der Bahn reisen, kann die Deutsche Bahn AG keine ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung stellen und lässt Kunden, die mit ihrem Fahrrad nicht schnell genug aussteigen, schon mal eine weitere Station mitfahren. „Das sind leider keine Märchen, sondern reale Zustände“ erklärt Hendrik Amm von der SPD.
Mit Befremden reagiert Hendrik Amm auf das Schweigen der Bundestagsabgeordneten zu diesem Thema. Auch Herr Ramelow und Herr Barth, die als einzige Jenaer Bundestagsabgeordnete gegen die Privatisierung gestimmt haben, können sich auf ihrem Nein zur Privatisierung nicht ausruhen. „Das hat nichts mehr mit Fahrgastrechten zu tun, wenn den Bürgern vorgegaukelt wird, dass ein Unternehmen mit Millionengewinn, Kostensteigerungen auf Fahrpreise umlegen muss“, fasst Amm zusammen. Und weiter: „Ich verlange von den Bundestagsabgeordneten, dass den Bürgern in Jena reiner Wein eingeschenkt und klipp und klar gesagt wird, ob und in welcher Form die der Bahn zugewiesene Verfassungsaufgabe zur Mobilität der Bürger seines Landes noch gewährleistet ist."