Fotograf/Quelle: Sandra Kruse, Das Ehepaar Linnemann und Jürgen Barth schauen sich Fotos von 1990 an STZ/FW vom 22.02.2010
20 Jahre SPD in Dorndorf / Seit 2008 Verbund mit Merkers-Kieselbach /
"Immer für den Menschen"
Dorndorf,sdk. - Als im Herbst 1989 drei Mann in Dorndorf den Versuch starteten,
sozialdemokratische Politik aufzubauen, existierte die
DDR noch.
Auch die Staatssicherheit gab es noch, und sie funktionierte auch noch. Jürgen Barth, einer der drei Initiatoren und heute Vorsitzender des SPD-Ortsverbandes "Mittleres Werratal", kann sich jedenfalls noch gut daran erinnern, dass es in jener Zeit bei Telefonaten fast immer in der Leitung geknackt und geknistert habe. Irgendwann hat es ihm gereicht und er habe "Stasi raus aus der Leitung" in den Hörer gebrüllt.
Das war aber noch vor der Gründung des SPD-Ortsvereins Dorndorf, der seit 2008 mit den Sozialdemokraten aus Merkers-Kieselbach den Ortsverband "Mittleres Werratal" bildet.
Am 1. Februar 1990 war es so weit: Die Dorndorfer Initiatoren Hubert Linnemann, Jürgen Barth und Karl-Heinz Richter hatten ausreichend bei bereits gegründeten Verbänden in Suhl und Eisenach "geschnuppert" sowie sich Informationen, Ratschläge und Hilfe bei den Sozialdemokraten aus Philippsthal geholt, um nun einen eigenen Ortsverein zu gründen.
Die SPD sei die einzige Alternative für sie gewesen, "Blockflöten" wollten sie sich nicht anschließen. "Wir hatten damals viele Leute angesprochen", erinnerte Jürgen Barth während einer kleinen Jubiläumsveranstaltung in der Gaststätte im Kulturhaus - dort, wo man sich auch damals zur Gründung versammelt hatte.
"In den ersten beiden Jahren waren wir einer der mitgliederstärksten Ortsverbände im Kreis. 23 Mitglieder zählten wir in Spitzenzeiten", so der Vorsitzende, der die Zeit um 1990 bis 1992 als eine "ziemlich wilde Zeit" in Erinnerung behalten hat.
"1990, die Vorbereitungen zur letzten DDR-Volkskammerwahl - da haben wir eine Wahlkampfveranstaltung gemacht, bei der wir als einzige Partei den Saal komplett voll gekriegt hatten." Mag sein, dass der eine oder andere Gast damals wegen des Freibiers gekommen war, das die befreundeten Sozialdemokraten aus Dortmund mitgebracht hatten.
Die meisten Menschen seien aber wohl deshalb gekommen, weil sie etwas Neues hören, ihren Frust über die DDR und die Regierung loswerden oder ihren Hoffnungen und Träumen Ausdruck verleihen wollten.
Bekanntlich war es dann aber die CDU, die damals den Wahlerfolg für sich verbuchen konnte. "Wir hatten gemeinsam mit den Philippsthaler Parteifreunden auf das Wahlergebnis gewartet und waren gemeinsam enttäuscht", so Barth.
Er habe damals jubelnde junge Leute gefragt, warum sie CDU gewählt hätten. Die Antwort: Man hätte die gewählt, die das Geld hätten. "Wir haben später festgestellt, dass die Leute, die das Geld haben, auch die Interessen derer vertreten, die auch Geld haben." So seien viele Träume aus jener Zeit unerfüllt geblieben und Hoffnungen enttäuscht worden.
Die ersten Schritte auf kommunalpolitischer Ebene waren die Dorndorfer Sozialdemokraten blauäugig angegangen, schätzte Barth die auf mündlichen Absprachen basierende Zusammenarbeit mit der CDU ein. "Nach nur einem Jahr haben wir nur noch gegeneinander statt miteinander gearbeitet." Heute ist die SPD im Gemeinderat stärkste Fraktion, der parteilose Bürgermeister Ingo Jendrusiak war bis 2004 Mitglied im Ortsverband.
Dass sich die SPD Dorndorf mit den Parteifreunden aus dem benachbarten Merkers-Kieselbach vereint hat, sei unter anderem dem Mitgliederschwund geschuldet, der die Ortsverbände arg verkleinert habe. "Die Gründe dafür sind aber nicht in der Arbeit der Ortsverbände zu suchen", unterstrich der Vorsitzende.
Die Bundespolitik unter SPD-Regierungsbeteiligung sei der Hauptgrund. "Viele Menschen haben sich wohl gesagt: Das ist nicht der Weg, den die SPD als Volkspartei, als Partei der kleinen Leute, gehen sollte.
" Mit dem Zusammenschluss 2008 zum Ortsverband "Mittleres Werratal" habe man seine Schlagkraft erhöht und eine Gebietsreform zumindest in diesem Bereich schon vorweggenommen. "Wir hauen und stechen uns nicht, sondern tauschen Meinungen aus.
Der Zusammenschluss der Ortsverbände ist geglückt", so Barth. So war es selbstverständlich, dass auch aus Merkers und Kieselbach Parteifreunde zur Festveranstaltung gekommen waren.
Hans Lessing erinnerte an die starken Anfangsjahre und das Zusammenwachsen der Ortsverbände Merkers und Kieselbach. Wolfgang Wollny, damals SPD-Bürgermeister in Merkers und später Gemeindeoberhaupt der Einheitsgemeinde, erinnerte an das, was man gemeinsam erreicht habe.
"Man kann in Merkers als Mitglied der SPD stolz sein auf das, was in den Jahren unter unserer Führung geleistet wurde", so Wollny, der unter anderem an den Kampf gegen die Müllverbrennungsanlage erinnerte.
Eingeladen hatten die Dorndorfer den SPD-Landesvorsitzenden Christoph Matschie. Der schickte eine Grußbotschaft, in der er die vielen Jubiläumsveranstaltungen derzeit als "Ausweis einer stolzen Tradition" bezeichnete. Stolz könne man darauf sein, dass damals in Thüringen der erste SPD-Landesverband gegründet worden sei und viele Ortsverbände, die die Basis der Thüringer SPD bilden.
Kreisverbandsvorsitzender Ralf Pollmeier unterstrich, was Jürgen Barth bereits als Anliegen formuliert hatte: "Wir dürfen nicht sagen: Das geht uns nichts an. Sich einmischen ist wichtig, dann kann man auch etwas erreichen, wenn das Umfeld schwieriger wird." sdk