Bisherige Erfahrungen zum Thema Rechtsextremismus in Gesprächsforum im Jugendhaus Bad Lobenstein ausgetauscht Bad Lobenstein (OTZ/sh).
Die rechte Szene verfügt in Bad Lobenstein über keine organisierten Strukturen, findet aber Sympathisanten. Das weiß Dieter Marufke, Direktor des Amtsgerichtes Bad Lobenstein und hier Vorsitzender des Jugendschöffengerichtes. Über Rechtsextremismus soll deshalb, vor allem im Jugendbereich, stärker informiert und aufgeklärt werden. Zudem wird daran gedacht, ein Netzwerk gegen Rechts aufzubauen. Das ist das Ergebnis eines Gesprächsforums zum Thema Rechtsextremismus, zu dem am Dienstagnachmittag das Regionalteam für Jugendarbeit in das Jugendhaus Bad Lobenstein eingeladen hatte.
Brennpunkt der rechten Szene im Saale-Orla-Kreis sei Pößneck. Doch Bad Lobenstein sei, wenn auch unterschwellig, ebenfalls von dem Thema berührt, hieß es. "Die Probleme, wie es sie jetzt in Bad Lobenstein gibt, gab es vorher auch in Pößneck", sagte Frank Hofmann, der in Pößneck die Kontaktstelle für mehr Demokratie betreut. Deshalb sei zu begrüßen, dass in Bad Lobenstein frühzeitig erkannt wird, dass ein Problem existiert und darüber diskutiert werden muss, würdigte er.
Die NPD trete wesentlich niedrigschwelliger an Jugendliche heran als andere Parteien, wusste Frank Hofmann weiter. So gehe es auch darum, in Bad Lobenstein alternative niedrigschwellige Freizeitangebote zu unterbreiten, die jeder wahrnehmen könne, ohne zu einer Mitgliedschaft gezwungen zu werden.
"Wir müssen den Rechtsextremismus intensiv im Auge behalten und ihm vorbeugen", sagte Bürgermeister Peter Oppel (SPD). "Am anfälligsten für die rechtsextreme Szene sind die frei schwimmenden Jugendlichen", sagte er. Diese gelte es, aufzufangen. Wichtige Einrichtungen für die Jugendlichen seien Vereine und das Jugendhaus, so der Bürgermeister. "Die Bilder einer angeblich zerrissenen, ziellosen Gesellschaft und des Werteverfalls sind die Nährstoffe für die Keime, die überall sitzen", sagte Peter Oppel. "Wir müssen den Leuten positive Dinge aufzeigen."
Die rechte Problematik sei äußerst ernst, schätzte Landrat Frank Roßner (SPD) ein. "Der Region droht nicht nur ein geistiger, sondern ein nachdrücklicher materieller Schaden, beispielsweise in der Wirtschaft und im Tourismus", sagte der Landrat. Das Problem sei jedoch nicht über Nacht entstanden. "Offensichtlich schaffen wir es nicht, Jugendlichen klar zu machen, was Nationalsozialismus bedeutet", überlegte er.
"Das Entscheidende ist, wie viele Menschen in einer extremen Situation bereit sind, die Demokratie zu verteidigen", meinte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Gerhard Botz. Es gebe eine wachsende Bereitschaft unter jungen Leuten, der NPD an den Wahlurnen das Vertrauen zu geben, beobachtet er. Allein im hiesigen Neundorf erhielt die NPD bei der diesjährigen Bundestagswahl 6,1 Prozent der Stimmen.
Die Gesprächsrunde war der dritte Programmpunkt des vierteiligen Projektes "Demokratie, Zivilcourage und Toleranz" des Regionalteams für Jugendarbeit. Interessenten, die sich gegen Rechtsextremismus oder auch für ein anderes Thema engagieren möchten sowie mögliche Netzwerkpartner können sich im Jugendhaus unter Tel. 036651/8 89 21 oder Tel. 0162/9326766 melden.
21.12.2005