Dräger ist ein Symbol für Verstrickungen in der Bildungspolitik

Veröffentlicht am 06.03.2008 in Allgemein

Zu dem Wechsel des parteilosen Wissenschaftsssenators Jörg Dräger aus dem CDU-Senat in Hamburg in den Vorstand der Bertelsmann-Stiftung und in die Geschäftsführung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) erklärt Erik Bodenstein, Sprecher der Juso-Hochschulgruppe Jena: " An dieser Personalie zeigt sich wie eng die Beziehungen zwischen der angeblich gemeinnützigen Bertelsmann-Stiftung, ihrem Think Tank dem CHE und der Bildungspolitik sind. Dräger ist ein Symbol für diese Verstrickung."

Die Bertelsmann-Stiftung und das CHE machen sich für eine umfassende Ökonomisierung des Bildungssystems stark. So schön verpackte Forderungen wie z.B. nach mehr Autonomie für Hochschulen und mehr Eigenverantwortung der Schulen und mehr Wettbewerb zwischen den Bildungseinrichtungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen. Denn für die Bertelsmann-Stiftung und das CHE gehört auch die Privatisierung der Bildungsfinanzierung und starke Leitungsstrukturen statt Demokratie in Bildungseinrichtungen dazu. So verwundert es nicht, dass die Bertelsmann-Stiftung und das CHE für Studiengebühren, Studienkredite und Elite-Universitäten eintreten.

Das CHE ist besonders für seine Uni-Rankings gemeinsam mit der Zeit nach amerikanischem Vorbild bekannt. Diese Rankings versuchen eine Art "Bildungsmarkt" zu suggerieren. Studienbewerber sollen animiert werden sich ihre Hochschule und das dazu passende Fach nach den Bewertungen des Rankings auszusuchen. Dabei wird völlig verkannt, dass die Mehrheit der Studienbewerber ihre Hochschulen nach wie vor nach dem Kriterium der Heimatnähe aussuchen (siehe zuletzt Studie der Uni Bielefeld).
Zudem setzen die Rankings völlig sachfremd eine grundsätzliche Vergleichbarkeit verscheidener Hochschulen voraus. Die Rektorenkonferenzen in der Schweiz und Österreich sind jüngst aus dem Kooperationsvertrag mit dem CHE ausgestiegen.

Erik Bodenstein erklärt: "In Deutschland wird der maßgeblich von der Bertelsmann-Stiftung und dem CHE ideologisch angefachte Wettbewerbsirrsinn in der Bildungspolitik wohl leider noch eine Zeit lang weitergehen. Der Einfluss dieser durch niemanden legitimierten Machtfaktoren ist wie die Personalie Dräger zeigt noch zu groß. Auch an der Universität Jena ist kein Umdenken zu erkennen. Rektor Prof. Dicke hat zuletzt erklärt, dass die Uni Jena in den nächsten fünf bis sechs Jahren zu den 20 besten Hochschulen im CHE-Ranking gehören sollte."

Die Juso-Hochschulgruppe fordert deswegen die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Bertelsmann-Stiftung und dass sich bildungspolitische Entscheidungsträger von dieser Stiftung und dem CHE emanzipieren und fortschrittlichen Kräften wieder mehr Gehör schenken.

 
 

Homepage Juso-HSG Jena

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