"Den Schwächeren helfen" - Interview mit dem in Gera geborenen Hildebrandt-Preisträger Andreas Dresen

Veröffentlicht am 29.11.2012 in Soziales

Der Filmemacher und neuerdings auch brandenburgische Verfassungsrichter Andreas Dresen hat den Regine-Hildebrandt-Preis für sein Engagement für Ostdeutschland erhalten. SPD.de bat den Regisseur am Rand der Preisverleihung zum Interview. Ein Gespräch über die Bezeichnung „ostdeutsch“, die Kraft der Menschlichkeit und die Zärtlichkeit der Völker.

SPD.de: Herr Dresen, Sie haben den diesjährigen Regine-Hildebrand-Preis für ihr Engagement zugunsten einer innerdeutschen Verständigung erhalten. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Andreas Dresen: Ich fühle mich Regine Hildebrandt, obwohl ich sie persönlich leider nie kennenlernen durfte, sehr verbunden. Als Politikerin und menschlich. Sie ist für viele Leute aus meiner Region eine Integrationsfigur gewesen. Jemand, der das Herz – im schönsten Sinne – auf der Zunge getragen hat. Sie war ja immer voll mit dem was sie dachte und fühlte. Das war etwas ganz anderes als diese Politiker-Sprechblasen von heute. Deswegen ist sie für viele Leute so wichtig.

SPD.de: Es wird häufig gesagt, Ihre Filme nähmen ostdeutsche Verhältnisse in den Blick. Würden Sie das unterschreiben?

Andreas Dresen: Ich musste ein bisschen lachen, als ich auf die Einladung geguckt habe. Da stand schon wieder dieses berühmte ‚ostdeutscher Filmemacher’. Nun habe ich gar kein Problem damit, dass ich aus Ostdeutschland komme – ganz im Gegenteil: Ich bin stolz darauf. Nur, bei meinem Kollegen Tom Tykwer würde vermutlich niemand schreiben: ‚Der westdeutsche Regisseur’. Ich finde es etwas skurril, dass man das nach 22 Jahren immer noch so herausstellt.

SPD.de: Ihre Filme gelten zudem als sozialkritisch. Gleichwohl gehen Sie soziale Probleme selten plakativ an. Inwiefern würden Sie sich als politischer Filmemacher bezeichnen?

Andreas Dresen: Wenn man das Private auch politisch gelten lässt – dann schon. Ich mache Geschichten, die im Kleinen das Große erzählen. Wie in einem Prisma oder Brennglas. Wenn ich erzähle, wie ein Familienvater stirbt und die Familie solidarisch zusammenrückt, erzählt das vielleicht auch etwas über eine Gesellschaft. Wo so etwas zum einen möglich, zum anderen nötig ist. Und wenn man so will, ist das natürlich auch politisch.

SPD.de: Gibt es in ihren Filmen so etwas wie eine gemeinsame Botschaft?

Andreas Dresen: Mein großer Kollege Billy Wilder hat mal so schön gesagt: ‚Wenn ich eine Botschaft hätte, wäre ich Briefträger geworden.’ (lacht) Letztendlich lassen sich ja Filme nicht ohne weiteres auf einen Satz runterbrechen. Aber es gibt eine Kraft der Menschlichkeit, die Leute über die Geschichten hinwegträgt. Auch durch die größten Unbilden. Das fasziniert mich.

SPD.de: Nun hat Sie ja auch die ‚große’ Politik erfasst: Sie sind zum Laienrichter am brandenburgischen Landesverfassungsgericht gewählt worden. Wie das?

Andreas Dresen: Die Linkspartei im Brandenburger Landtag hat mich vorgeschlagen. Und weil ich grad diesen Film über den brandenburgischen CDU-Hinterbänkler Henryk Wichmann gemacht habe, traf das bei mir auf sehr offene Ohren. Denn durch die Dreharbeiten habe ich viel nachgedacht über Demokratie und auch meine Rolle darin. Denn wenn man sieht, wie sich jemand so abrackert, dann fragt man sich ja manchmal: was mache ich eigentlich selber als Bürger? Mein Eindruck ist: Man macht es sich ja doch manchmal ganz schön leicht, indem man sich einfach in die Meckerecke zurückzieht. Ich habe aber sehr viele Politikerinnen und Politiker kennengelernt, die eine aufreibende Arbeit machen – und mit denen ich nicht tauschen möchte. Doch Demokratie kann nur funktionieren, wenn jeder bereit ist, sich da ein kleines Stückchen mit einzubringen. Und dann kam da diese Anfrage, und ich dachte: Das ist doch perfekt.

SPD.de: Und wie fühlt sich das an? Ist es mehr Freude auf die neue Aufgabe oder mehr Respekt vor der Herausforderung?

Andreas Dresen: Momentan: Respekt. Weil ich natürlich auch Angst habe, dem nicht gewachsen zu sein. Das sind schon anspruchsvolle Verfahren, ich habe mir einige schon angeschaut. Es geht häufig auch um komplizierte Verwaltungsgeschichten, nicht alles ist so sinnlich-konkret auf den ersten Blick. Ich werde in der ersten Zeit sicherlich darauf angewiesen sein, mir das erklären zu lassen

SPD.de: Sie sprachen bereits über ihren neuen Film „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“, der über das Leben eines Landtagsabgeordneten berichtet. Was würden Sie sagen: Was sind die derzeit drängendsten politischen Probleme?

Andreas Dresen: Es muss darum gehen, in dieser Gesellschaft wieder einen Ausgleich zwischen den Polaritäten herzustellen. Denn das rutscht ja nun offensichtlich auseinander. Und je härter sich die weltwirtschaftliche Lage zuspitzt, desto schlimmer wird es. Insofern wünsche ich mir eigentlich, dass sich die Politiker darauf besinnen, sich nicht immer die Augen auszukratzen und Neiddebatten anzufachen – und die Bürger genauso wenig.

SPD.de: Und was müsste da ihrer Meinung nach geschehen?

Andreas Dresen: Ich fände es wichtig dass man in der Gesellschaft zusammen rückt. Zum Beispiel mit Solidarität. Das heißt für mich, dass die Stärkeren den Schwächeren helfen – innerhalb einer Gesellschaft, aber auch über deren Grenzen hinweg, Und da beziehe ich mich ausdrücklich auch auf Griechenland. Wie sagte Ché Guevara doch so schön: „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“. Wenn es das aber nicht mal in Europa gibt, wo wir ja nun die Europäische Union gebildet haben – wo soll das dann sonst funktionieren?

SPD.de: Sie decken mit Ihren Filmen eine große Bandbreite zum Teil sehr ernster Themen ab: Arbeitslosigkeit, Liebe im Alter, Krebs. Was kommt als nächstes?

Andreas Dresen: Ich möchte schon seit Jahren einen Film für Kinder machen – und da sind auch schon zwei Projekte in Arbeit. Mit etwas Glück drehe ich eines davon im Spätsommer nächsten Jahres. Leider wird in Deutschland immer so zwischen vermeintlich ernsten Stoffen und Kinderfilmen getrennt. Und wenn es dann was für Kinder gibt ist das oft sehr kommerziell und glatt.

SPD.de: Die SPD befindet sich derzeit im Bürger-Dialog: Bürgerinnen und Bürger können uns ihre Fragen und Anregungen für das Wahlprogramm 2013 schicken. Was würden Sie sich von der SPD wünschen?

Andreas Dresen: Die SPD sollte wieder eine linke Volkspartei werden und nicht so sehr zur Mitte schielen. Ein Parteienspektrum lebt doch davon, dass sich die Parteien wirklich voneinander abgrenzen. Und die SPD – das steckt ja schon im Namen drin – sollte sich auf das Soziale besinnen. Das ist ihre Stärke. Und nur in diesem Sinne ist sie ja für die Menschen auch wichtig. Derzeit geht die SPD ja einen Weg, der in diese Richtung weist – und den sollte sie weitergehen: Nicht rechts von der Mitte und auch nicht in der Mitte, sondern links davon. Das wünsche ich mir.

Quelle: 28. November 2012, Daniel von Fromberg, https://www.spd.de/aktuelles/82378/20121128_interview_dresen.html;jsessionid=
56451E4C857D0F4A5BA9E163AB63EBDF

 
 

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