Mit Charme und Witz – der 91-jährige Altkanzler Helmut Schmidt Im 20.Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands, am Tag des Aufstandes in der DDR vom
17. Juni, wurde Altbundeskanzler Helmut Schmidt mit einem Festakt in der Nähe von Geisa (Wartburgkreis) mit dem Point-Alpha-Preis geehrt.
Für seine Standhaftigkeit beim NATO-Doppelbeschluss und seine Rolle beim KSZE-Entspannungsprozess. „Sie sicherten Freiheit
und Frieden gegen alle Widerstände. Die Historie gab Ihrem Mut Recht. Mit der KSZE-Akte unter Ihrer maßgeblichen Beteiligung wurde der eiserne Vorhang durchlässiger“, betonte Christine Lieberknecht, Präsidentin des Kuratoriums Deutsche Einheit, in Richtung Helmut Schmidt. Der inzwischen 91-jährige Hamburger, vor seiner Kanzlerschaft Wirtschaftsminister und auch Verteidigungsminister, gab über 1000 Menschen, von der Schulklasse bis zum betagten Senior, an geschichtsträchtigem Ort eine Geschichtsstunde der ganz besonderen Art. Scharfsinnig und pointiert! Entspannung durch Waffengleichheit an höchst explosiver Stelle hieß sein Credo beim seinerzeit heiß umstrittenen NATO-Doppelbeschluss. Der „Osten“ hatte SS 20 Raketen in Richtung Westeuropa aufgestellt. Hinzu kamen dann noch auf Westeuropa gerichtete Mittelstreckenraketen. „Erstaunlich, dass sich die damalige Friedensbewegung dadurch nicht bedroht fühlte“, sinnierte Helmut Schmidt. „Der Westen durfte kein zahnloser Tiger sein“, argumentierte der Altkanzler für seine Bemühungen auf Waffengleichheit. Professor Richard Schröder, Vorsitzender der Deutschen Nationalstiftung, formulierte treffend: „Sie waren im Umgang mit der Sowjetunion im Vergleich mit den Matadoren der Friedensbewegung der bessere Psychologe. Sie haben besser als jene verstanden, wie die sowjetische Führung tickte.“ Auch Schmidts eigene Partei, die SPD, folgte ihrem Kanzler nicht in Gänze, was schließlich zum Ende dessen Kanzlerschaft führte. Der Preisträger habe wesentliche Voraussetzungen für die Überwindung der deutschen und europäischen Teilung mit geschaffen, würdigten Christine Lieberknecht und Professor Richard Schröder dessen Leistung. Mit minutenlangen stehenden Ovationen brachten die über 1000 zur Auszeichnung gekommenen Menschen ihre Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber Helmut Schmidt zum Ausdruck. Der Altkanzler hatte noch eine aktuelle Botschaft parat, „nationales Bewusstsein und gute Nachbarschaft in Europa müssen Leitfaden deutscher Politik bleiben“.
Zu der besonderen Geschichtsstunde an diesem Tag, dem 17. Juni 2010, gehörte auch jene Gruppe, die mit einem „Friedenfest“ vor den Toren von Point Alpha gegen die Preisverleihung demonstrierte. Deren geistige Vorväter stationierten Raketen auf dem Vorhof der USA, auf Kuba, stationierten Raketen in der DDR, gerichtete auf den „Westen“ und schleusten einen Stasi-Spion in die Nähe des ehemaligen Bundeskanzlers und späteren Nobelpreisträgers Willy Brandt. Bei diesem „Friedenfest“ auch dabei Personen, die in der von der damaligen DDR (trotz Devisenknappheit!) mitfinanzierten Protestbewegung gegen die Schmidtsche Politik in der alten BRD aktiv waren, aber auch Personen, die jene in der DDR denunzierten, die sich per „Westfernsehen“ informierten oder gar nach Güstrow wollten, als Helmut Schmidt dort zu Besuch war. Auch dieses von den „Linken“ initiierte „Friedenfest“ erinnerte nachhaltig ….!
Th. Levknecht