Staatsekretär Jochen Staschewski (links), stellv. Ministerpräsident a.D. Dr. Gerd Schuchardt (rechts) Zeitungsbericht der TLZ vom 21.01.2010
Mehr Mut zu Veränderungen
Jena. (tlz) Gut gelaunt ist die SPD Jena am Abend mit ihrem traditionellen Neujahrsempfang offiziell ins Jahr 2010 gestartet.
Zur guten Laune gab es auch allen Grund: Die Sozialdemokraten sind wieder an der Landesregierung beteiligt, und auch in Jena hat die sozialdemokratische Politik in den vergangenen 20 Jahren durchaus erfolgreich mit wechselnden Partnern und seit fast vier Jahren auch mit einem SPD-Oberbürgermeister ihre Spuren hinterlassen.
Das rot-schwarz-grüne Koalitionsbündnis im Jenaer Stadtrat erinnert SPD-Fraktionschef Dr. Jörg Vogel an Kenia, das diese Farben in seiner Flagge habe. Ungewohnt locker verglich er die Merkmale eines keniatischen 3000-Meter-Hindernisläufers mit der Politik: "Man braucht einen langen Atem, man muss Gräben und Hürden überwinden, ausdauernd sein, standhaft und man darf die Orientierung nicht verlieren. Dieser Arbeitsstil zeichnet unsere Koalition aus. Dieser Metapher fühle ich mich selbst verpflichtet", so Vogel.
Bei all dem Erfolg der Stadt - mit 48,1 Prozent im vergangenen Jahr die höchste Exportquote und die geringste Arbeitslosigkeit seit Jahren - dürften aber auch die Menschen nicht vergessen werden, denen es nicht so gut gehe. "Es gibt auch in Jena Menschen, die an der Armutsgrenze leben", so Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter. Er wolle das europäische Themenjahr "Gegen Armut und soziale Ausgrenzung" für die Stadt zum Anlass nehmen, auch hier mehr für Chancengleichheit bei Bildung und Arbeitsplätzen sowie für mehr Integration zu tun. "Je erfolgreicher eine Stadt ist, desto mehr ist sie dazu verpflichtet."
Die SPD rief am Abend ihre Gäste dazu auf, für das Projekt des Jenaer Vereins Hintertorperspektive zu spenden. Der Verein unterstützt eine Fußballschule in Jenas Partnerstadt San Marcos. Der OB selbst und Jörg Vogel gingen dazu mit dem Hut herum. 600 Euro kamen zusammen.
Jochen Staschewski, Staatssekretär im Thüringer Wirtschaftsministerium, warf noch Blick zurück auf das Wahljahr 2009, auf Erfolge wie Niederlagen und forderte seine Genossen auf, "selbst angelegte Fesseln abzulegen", Korrekturen vorzunehmen, wo sie angebracht seien wie beispielsweise bei Hartz IV. "Wir brauchen Mut zu Veränderungen."
20.01.2010 Von Lioba Knipping