Ich gebe es ja zu: Auch an mir ist der Frauenfußball bisher ziemlich vorübergegangen. Als notorische Sportschau-Schauerin, hartnäckige Tabellenverfolgerin und interessierter Fernsehgast bei Länderspielen waren für mich ganz automatisch die Fußballmänner das Maß aller Dinge, ganz einfach, weil sie immer da waren. Nun aber waren zum wiederholten Male die Frauen in aller Munde, also reihte ich mich ein in die wachsende Zahl der Interessenten und sah wenigstens das Endspiel der Europameisterschaft, in der die deutsche Fußballnationalmannschaft ihren Titel verteidigte.
Und ich bekam große Augen! Was da auf dem Rasen passierte, war natürlich schon irgendwie Fußball, klar. Aber es sah so anders aus! Erst mal war viel mehr vom Rasen zu sehen, die Frauen bewegten sich deutlich geordneter als die Männer. Jede blieb weitgehend bei ihrer Gegenspielerin (heißt das eigentlich auch im Frauenfußball Manndeckung?), und paarweise bewegten sich die Frauen über den Platz: Unermüdlich, mit großer Fairness, vor allem aber ungeheuer effizient. Jede Aktion wurde begonnen, weitergetrieben und zu Ende gebracht, also entweder zu einer Torchance oder zu einer Landung vor den Füßen der ebenso effizienten Verteidigung.
Nun kann man natürlich sagen: Das ist bei den Männern doch genauso. Stimmt. Irgendwie, aber irgendwie auch nicht. Ich will das qualitätsmäßig auch gar nicht gegeneinander ausspielen, aber bei den Männern geht es einfach anders zu. Es sieht bunter aus, lebendiger vielleicht, unter Umständen auch kreativer. Da erscheint eben schon mal ein Philipp Lahm im Hasenlauf vor dem Tor, und noch bevor man sich fragen kann, spielt der nicht eigentlich in der Abwehr, hat er den Ball schon in Richtung Tor geschossen. Gleichzeitig scheint es mehr kleine Tumulte zu geben, mehr Schiedsrichter-Einsätze auf jeden Fall.
Jeder, der etwas von Fußball versteht (und jede), kann mühelos bemerken, dass ich das nicht wirklich tue. Ich sehe gerne zu, das ist alles. Und ich bin mir darüber im Klaren, dass man von einem einzigen, dazu noch so exponierten, Spiel keine Verallgemeinerungen ableiten kann. Aber ein „Anfangsverdacht“ hat sich bei mir eingeschlichen, so dass ich beschloss, aber jetzt öfter Frauenfußball zu sehen. Doch da fangen die Probleme schon an. Erst mal musste ich bei meinem 12-jährigen wandelnden Fußball-Almanach anfragen: „Sag mal, gibt es eigentlich auch eine Frauen-Bundesliga?“ Die gibt es. Und erwähntes Almanach verfolgt sogar die Ergebnisse in der Zeitung – immerhin stehen sie da und versickern nicht gänzlich unbeobachtet von der Fußballwelt. Aber zu sehen bekommt man die Spiele natürlich nicht – oder hat jemand einen heißen Tipp?
Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen, die Ergebnisse ab heute auf unserer ASF-Seite zu veröffentlichen. Nicht weil wir glauben, dass Frauenfußball besser, interessanter oder wertvoller ist als Männerfußball oder weil wir beides gegeneinander ausspielen wollen. Aber Frauenfußball ist auch gut, interessant und wertvoll und verdient deshalb auch unsere Beachtung. Wir bleiben dran.